Fleischer-Innung Hof-Wunsiedel
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95030 Hof
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Bayern ist ein traditionsreiches Land. Eine ebenso lange und reiche Tradition hat ebenfalls das Metzgerhandwerk in Bayern. Die gesamte mittelalterliche Lebenskultur in den Städten wurde vom Handwerk und vor allem von dessen Zünften geprägt. Von der Zeit der Stadtgründungen im 11. und 12. Jahrhundert bis zur Einführung der Gewerbefreiheit in Bayern im Jahr 1869 war das Handwerk in den Städten und Märkten „zünftig“ organisiert.
Die Zünfte waren Zwangsvereinigungen, deren Regeln sich ihre Mitglieder zu unterwerfen hatten. Wer an einem Ort ein Handwerk ausüben wollte, musste Mitglied der Zunft sein. In der historischen Phase ihrer Entstehung und beim Aufbau der Städte erfüllten die Zünfte eine wichtige sozialpolitische Aufgabe, die nach ihnen keine Organisation oder politische Gruppierung wieder in diesem Umfang erreichte. Sie übten einen maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke der Städte aus.
Das Zunftwesen war im Mittelalter der Garant für eine bessere Lebensführung in den Städten, war zuständig für die gerechte Verteilung von Gütern und Dienstleistungen, sorgte für soziales Verhalten durch seine Verordnungen und Vorschriften und für eine Produktion in Zusammenarbeit statt in Konkurrenz. Darauf gründete sich der Wohlstand der mittelalterlichen Städte.
Im Zuge der großen Strukturveränderungen, die mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert in Deutschland begannen, verloren die mittelalterlichen Formen der Handwerksorganisationen allmählich an Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich neue Zusammenschlüsse von Handwerkern in fachlichen Verbänden und Innungen. Mit dem Handwerksgesetz aus dem Jahr 1897 fand diese Entwicklung einen gewissen Abschluss.
Die rechtliche Grundlage der heutigen Handwerksorganisation ist das Gesetz zur Ordnung des Handwerks, also die Handwerksordnung aus dem Jahr 1953. Die heutige Bedeutung des Handwerks in Wirtschaft und Gesellschaft wäre jedoch ohne die früheren Handwerkszünfte nicht erreicht worden. Ohne sie wären die zahlreichen Selbsthilfe-maßnahmen und Serviceleistungen für das Handwerk wohl kaum möglich gewesen.
Die Geschichte des örtlichen Metzgerhandwerks und seiner Innung
Nachdem am 3.12.1893 die Interessenvertretung des Hofer Metzgergewerbes aufgelöst wurde, entschloss man sich zur Gründung der Freien Metzger-Innung Hof. Die Statuten dieser Freien Innung wurden von der Königlichen Regierung von Oberfranken am 24.10.1894 genehmigt. Damit war die Metzger-Innung Hof aus der Taufe gehoben. Die alte Satzung wurde später durch ein überarbeitetes Statut ersetzt. Hierin heißt es: Die Innung führt den Namen Metzger-Innung zu Hof (Freie Innung). Ihr Sitz ist zu Hof. Ihr Bezirk umfasst die Gemeinde Hof. Sie besteht für das Metzgergewerbe. Diese neue Satzung regelte bereits das Aufgabengebiet der Innung, die Bestimmungen über die Mitgliedschaft, die Befugnisse der Innungsversammlung, die Zusammensetzung des Vorstandes und der Ausschüsse, insbesondere auch die des Gesellenausschusses.
Bei der Gründung waren 42 Mitglieder der neuen Innung angeschlossen. In der Gründungsversammlung wurde zum ersten Obermeister Michael Schmidt gewählt. Die junge Innung fand bereits im Jahr 1895 Aufnahme im Deutschen Fleischerverband und kurz darauf im bayerischen Bezirks-Verein, in dem sie bald einen angesehenen Platz einnahm. Denn schon im Jahr 1897 wurde sie mit der Durchführung des in Hof abgehaltenen Bezirkstages beauftragt. Gleichzeitig fand die Weihe der neuen Fahne statt. Anfang des selben Jahres war inzwischen Karl Pock zum Obermeister gewählt worden. Ihm folgte 1903 als Obermeister Friedrich Sommer und diesem 1920 Johannes Eckardt.
Die letzte Versammlung der Freien Metzger-Innung Hof wurde am 10.10.1934 abgehalten. Aufgrund der 1. Verordnung über den Neuaufbau des deutschen Handwerks mussten Pflichtinnungen errichtet werden. Die erste Pflichtversammlung der Metzger-Innung Hof fand am 13.12.1934 statt. Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Hoffmann legte damals in ausführlichen Worten den Grund, Zweck und Ziel des neuen Aufbaugesetzes dar. Er verpflichtete den seitherigen Innungsobermeister Johannes Eckardt durch Handschlag erneut zum Obermeister.
In der Jahreshauptversammlung der Innung im März 1936 gibt Obermeister Eckardt seinen Abschied. Als dessen Nachfolger wird von der Handwerkskammer Karl Herold aus Hof ernannt. Bis 1938 erreichte die Innung bereits einen Mitgliederbestand von 117 Betrieben.
Nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges standen in raschem Wechsel verschiedene Obermeister an der Spitze der Metzger-Innung. In den Protokollen sind ab 1945 die Obermeister Heinrich Baderschneider, Bernhard Goldner, Heinrich Herpich und Obermeister Greim genannt. Im Dezember 1947 wurde Albert Schiller erstmals zum neuen Obermeister der Innung gewählt. Dieses Amt übte er zunächst mit seinem Stellvertreter Karl Herold bis zum 1.7.1949 aus. Für einen kurzen Zeitraum, nämlich bis Dezember 1951 führte Obermeister Hans Ellmauer die Innung an. Von Dezember 1951 bis April 1973 stand dann wieder Albert Schiller als Obermeister der Innung vor.
Mit der Erweiterung des Innungsbezirks und den Anschlüssen der Innungen Münchberg, Naila, Helmbrechts und Rehau wurde die Fleischer-Innung Hof, als sie über 200 Mitglieds-betriebe zählte, zu einer der größten Metzgerinnungen in Bayern. Im Jahr 1973 wurde die Vorstandschaft der Innung verjüngt. Am 4.4.1973 wurde als neuer Obermeister Manfred Max gewählt. Nach mehr als 23 Jahren folgte ihm im Oktober 1996 Christoph Hagen nach, der die Innung bis Oktober 2008 leitete. Während dieser Zeit fusionierte die Innung Selb-Wunsiedel mit der Innung Hof. Der Zusammenschluss beider Innungen wurde zum 1.1.2007 besiegelt. Seit 15.10.2008 steht Thomas Köhn als Obermeister der Innung vor.
Die Innung schuf auch Einrichtungen, die jeden einzelnen Mitglied zum Wohl und Nutzen gereichten. So war sie maßgeblich an der Errichtung von Schlachthöfen beteiligt. Aus dem seinerzeitigen Häuteverwertungsverein gründete die Innung im Jahr 1917 eine eigene Genossenschaft, nämlich die Fleischer-Genossenschaft Hof. Im Juni 1910 wurde als eigene soziale Einrichtung die Innungskrankenkasse gegründet.